Themen
Kammerchor brillierte
Kammerchor Cantus-Dorsten brillierte
Die Marktmusik in St. Agatha ist immer ein meditativer Ruhepunkt am Samstagmorgen. Das 96. Konzert stand jedoch unter einem besonderen Motto. Unter dem Titel "Wie liegt die Stadt so wüst" war es dem 65. Jahrestag der Zerstörung Dorstens gewidmet.
Die Ansprache zu dem Gedenkkonzert hielt Bürgermeister Lambert Lütkenhorst. Darin brachte er den Schrecken und das Unheil des 22. März 1945 noch einmal in Erinnerung. Lütkenhorst zitierte zu Beginn Gerhart Hauptmann: "Wer das Weinen verlernt hat, wird es beim Anblick dieser Stadt wieder lernen".´Das Zitat bezog sich zwar auf das zerstörte Dresden, könne aber auch für Dorsten gelten: "5.600 Bomben fielen auf unsere Stadt, kein militärisches Ziel, gezielt auf die Dorstener Zivilbevölkerung", so Lütkenhorst.
Denkwürdiger Tag
Mit "De profundis" des belgischen Chorleiters und Komponisten Vic Nees (*1936) eröffnete der Kammerchor Cantus-Dorsten zuvor, unter Leitung von Hans-Jakob Gerlings, das Konzert zu diesem denkwürdigen Tag. Kooperationspartner war das Kulturamt der Stadt Dorsten.
Chorgesang der Alten Musik bis zu neuzeitlichen Kompositionen standen auf dem Programm. Der Wechselgesang des "Miserere mei, deus", von Gregorio Allegri (1582-1652) für die Karwoche komponiert, aufgeteilt zwischen Chor und den Solisten, Claudia Lawong (Sopran), Ute Weitkämper (Alt), Walter Drees (Tenor) und Andreas Baronner (Bass), fesselte die Zuhörer durch seine Intensität.
Gerührte Stimmung
Das Flehen von Johann Sebastian Bachs "Aus tiefer Not schrei ich zu dir", als Choral und Orgelsatz vorgetragen, verstärkte die betroffene und gerührte Stimmung in St. Agatha. Die Trauermotette "Wie liegt die Stadt" von Rudolf Mauersberger (1889-1971) berührte mit seiner Intensität. Das "Super flumina babylonis" von Orlando di Lasso (1532-1594) und Heinrich Schützes (1585-1672) "Aus der Tiefe ruf ich, Herr, zu dir" fügten sich würdevoll in das Programm ein.
Eine kleine Ausstellung mit Bildern aus dem St. Agatha Archiv fand danach große Beachtung.
Quelle: Dorstener Zeitung, 29.03.2010
von Rüdiger Eggert
» zum Originalartikel